{"id":17803,"date":"2025-04-24T09:30:05","date_gmt":"2025-04-24T07:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/unser-recht.ch\/?p=17803"},"modified":"2025-07-25T13:21:54","modified_gmt":"2025-07-25T11:21:54","slug":"die-bilateralen-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/die-bilateralen-iii\/","title":{"rendered":"Die Bilateralen III"},"content":{"rendered":"<h3>\u00dcberlegungen auf dem Hintergrund von Trumps Handelskrieg<\/h3>\n<p><em>Von Ulrich Gut<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trumps Z\u00f6lle steigern die Bedeutung der europ\u00e4ischen M\u00e4rkte f\u00fcr die schweizerische Exportwirtschaft, deren Zulieferer und die Besch\u00e4ftigten. Auf Verluste von Marktanteilen in den USA will man sich nun durch Expansion auf asiatischen M\u00e4rkten, insbesondere in China, vorbereiten. Aber angesichts gef\u00e4hrlicher Spannungen im Fernen Osten \u2013 Taiwan, S\u00fcdchinesisches Meer \u2013 sind die Perspektiven dieser Strategie unsicher. Sie k\u00f6nnen deshalb keine Rechtfertigung daf\u00fcr sein, einen vertraglich gesicherten guten Zugang zum EU-Raum aufzugeben.<\/p>\n<p>Trotzdem werden Gegner der Bilateralen III ihren Kampf mit unverminderter H\u00e4rte f\u00fchren. Dabei haben rechtliche Fragen eine grosse Bedeutung. UNSER RECHT tr\u00e4gt zu deren Kl\u00e4rung bei. So konnten wir k\u00fcrzlich zwei Artikel von <em>Astrid Epiney,<\/em> Professorin f\u00fcr Europarecht, V\u00f6lkerrecht und \u00f6ffentliches Recht an der Universit\u00e4t Fribourg und gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin des dortigen Instituts f\u00fcr Europarecht, ver\u00f6ffentlichen: \u00ab<a href=\"https:\/\/unser-recht.ch\/bilaterale-iii-um-was-geht-es\/\">Bilaterale III \u2013 um was geht es? Ein \u00dcberblick<\/a>\u00bb und \u00ab<a href=\"https:\/\/unser-recht.ch\/bilaterale-iii-streitbeilegung-und-tragweite\/\">Bilaterale III \u2013 Streitbeilegung und Tragweite. Eine Einsch\u00e4tzung<\/a>\u00bb<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Rechtsprechung des EuGH schon bisher bedeutsam f\u00fcr die Schweiz<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Besondere Bedeutung f\u00fcr die Beurteilung der Verhandlungsergebnisse hat die Zust\u00e4ndigkeit des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH) f\u00fcr die Auslegung von Europarecht. <em>Matthias Oesch,<\/em> Professor f\u00fcr \u00f6ffentliches Recht, Europarecht und Wirtschaftsv\u00f6lkerrecht an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, legte in einem 2023 erschienen Buch unter dem Titel \u00abDer EuGH und die Schweiz\u00bb dar, dass die Rechtsprechung des EuGH schon bisher von grosser Bedeutung f\u00fcr die Rechtsentwicklung in der Schweiz war. Hier ein Auszug aus einem <a href=\"https:\/\/unser-recht.ch\/bilaterale-vertraege-zustaendigkeit-des-eugh-fuer-die-auslegung-von-eu-recht\/\">Interview<\/a>, das UNSER RECHT beim Erscheinen dieses Buches mit Matthias Oesch f\u00fchrte:<\/p>\n<p><em>\u00abDer EuGH ist f\u00fcr die Schweiz keine Blackbox. Die Schweiz \u00fcbernimmt seit Jahrzehnten Urteile des EuGH, sei es auf dem Weg der Rechtsvergleichung und des autonomen Nachvollzugs, sei es bei der Durchf\u00fchrung der bilateralen Abkommen. Unsere Juristinnen und Juristen sind sich gewohnt, Urteile des EuGH zu rezipieren und das schweizerische Recht im Licht der Dikta aus Luxemburg weiterzuentwickeln. Der Schritt, dem EuGH neu eine Rolle bei der Streitbeilegung zuzuordnen, w\u00e4re institutionell und rechtskulturell ein beachtlicher \u2013 praktisch w\u00e4ren die Folgen aber \u00fcberschaubar.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Warnung vor verharmlosender Argumentation<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Soeben erschien die zweite Auflage von Matthias Oeschs Buch unter dem Titel \u00ab<a href=\"https:\/\/eizpublishing.ch\/publikationen\/schweiz-europaeische-union-grundlagen-bilaterale-abkommen-autonomer-nachvollzug\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schweiz \u2013 Europ\u00e4ische Union. Grundlagen, Bilaterale Abkommen, Autonomer Nachvollzug<\/a>\u00bb als kostenfreies E-Book. Neu ist insbesondere ein \u00abEpilog\u00bb, in dem der Autor aktuell auf das Verhandlungsergebnis eingeht. Er legt dar, weshalb sich die Rahmenbedingungen f\u00fcr die erfolgreiche Weiterf\u00fchrung des bilateralen Wegs in den letzten 20 Jahren verschlechtert haben. Als Bef\u00fcrworter der Bilateralen III warnt er die Gleichgesinnten vor Verharmlosung:<\/p>\n<p><em>\u00abEs zeigt sich immer deutlicher, dass zwischen der fortlaufenden Rechts\u00fcbernahme und der (direkten) Demokratie ein Spannungsverh\u00e4ltnis besteht; die Substanz der demokratischen Rechte wird ausgeh\u00f6hlt. Diese Entwicklung wird sich mit der Dynamisierung der Rechts\u00fcbernahme noch verst\u00e4rken. F\u00fcr den autonomen Nachvollzug sch\u00e4tzen Studien, dass zwischen 40 % und 60 % der Bundesgesetzgebung direkt oder indirekt vom EU-Recht beeinflusst sind.\u00bb <\/em><\/p>\n<p>Infolge der Weiterentwicklung der EU werde es<em> \u00abf\u00fcr die Schweiz zunehmend schwieriger, nicht nur eine autonome Handelspolitik, sondern auch eine eigenst\u00e4ndige Aussen- und Sicherheitspolitik zu verfolgen. Diese Entwicklungen gebieten, Alternativen zum bilateralen Weg in seiner jetzigen Form zu pr\u00fcfen.\u00bb <\/em>Die EU biete folgende Grundmodelle an:<em> \u00abEU-Mitgliedschaft; gemeinsamer Binnenmarkt (EWR); sektorielle Teilhabe am Binnenmarkt und an weiteren Politikbereichen (Schweiz); umfassende Assoziierung mit Beitrittsperspektive (Ukraine); Freihandelsabkommen (S\u00fcdkorea, Kanada); No deal (WTO-Mitgliedschaft)\u00bb. <\/em>Es gebe<em> \u00abkeine Anzeichen daf\u00fcr, dass die EU zumindest kurz- und mittelfristig grundlegend von dieser Palette abweichen und weitere Grundmodelle entwickeln wird, welche einem Drittstaat wie der Schweiz erlauben w\u00fcrden, materiell enge Beziehungen im Sinne der sektoriellen Teilhabe am Binnenmarkt und an weiteren Politikbereichen der EU zu unterhalten, sich institutionell aber allein klassisch v\u00f6lkerrechtlicher Instrumente zu bedienen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p>Letztlich sei <em>\u00abdas Schicksal der Schweiz wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich unweigerlich mit demjenigen ihrer Nachbarn und weiterer Staaten in Europa verbunden\u00bb,<\/em> stellt Matthias Oesch fest. Wissend, dass sich derzeit keine politische Kraft erfolgversprechend f\u00fcr einen Beitritt zur Europ\u00e4ischen Union einsetzt, schliesst er mit diesem Rat: <em>\u00abDie aktive Mitgestaltung der Zukunft im Verbund mit gleichgesinnten Staaten liegt im ureigenen Interesse der Schweiz. Politische Klugheit und Weitsicht gebieten, auch die Option eines EU-Beitritts zu pr\u00fcfen \u2013 mit Blick auf den mit einem Beitritt einhergehenden Demokratie- und Souver\u00e4nit\u00e4tsgewinn ein unter Umst\u00e4nden lohnenswertes Unterfangen.\u00bb <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Dr. iur. Ulrich Gut ist Pr\u00e4sident von UNSER RECHT.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p class=\"kleinschrift\">Foto: \u00a9 UNSER RECHT<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>\u00dcberlegungen auf dem Hintergrund von Trumps Handelskrieg<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Ulrich Gut<\/em><\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Trumps Z\u00f6lle steigern die Bedeutung der europ\u00e4ischen M\u00e4rkte f\u00fcr die schweizerische Exportwirtschaft. Daher ist ein vertraglich gesicherter Zugang zum EU-Raum, wie ihn die Bilateralen III bieten, wichtig.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":17801,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bluesky_dont_syndicate":"1","_bluesky_syndication_accounts":"","_bluesky_syndication_text":"","footnotes":""},"categories":[3415],"tags":[3477,3495,3510],"class_list":["post-17803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-svizzera-europa","tag-demokratie-it","tag-eu-it","tag-europaeischer-gerichtshof-it"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17803"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17803\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17801"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/unser-recht.ch\/it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}