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Newsletter Mai 2026

Geschätzte Leserschaft

Am 19. Mai hat die Mitgliederversammlung wichtige Weichen für die Zukunft von UNSER RECHT gestellt: Sie hat einer Co-Präsidentschaft zugestimmt und den bisherigen Präsidenten Dr. iur. Ulrich Gut sowie das bisherige Vorstandsmitglied Dr. iur. Patrice Martin Zumsteg zu Co-Präsidenten gewählt.

Co-Präsident Patrice Martin Zumsteg
Patrice Zumsteg, geboren 1988, studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich (MLaw). Nach seinem Anwaltspraktikum in einer Zuger Kanzlei absolvierte er 2014 erfolgreich die Prüfung als Rechtsanwalt und Urkundsperson des Kantons Zug. Danach war er als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für öffentliches Recht von Prof. em. Dr. iur. Regina Kiener und als Tutor im allgemeinen Verwaltungsrecht an der Universität Zürich tätig.
Im Anschluss an einen Forschungsaufenthalt am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg (2019) wurde Patrice Zumsteg aufgrund seiner Dissertationsschrift «Demonstrationen in der Stadt Zürich» promoviert (Dr. iur.).
Seit 2019 ist er als Rechtsanwalt im öffentlichen Recht tätig. Zudem lehrt und forscht er heute im öffentlichen Recht am Institut für Regulierung und Wettbewerb der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW. Patrice Zumsteg leitet dort den Kompetenzbereich Sicherheits- und Innovationsrecht sowie den CAS Polizeirecht. Auf den 1. Januar 2023 wurde er überdies für die FDP. Die Liberalen in den Bezirksrat Zürich gewählt.

Wahlen in den Vorstand

Neu im Vorstand willkommen heissen wir die Aargauer Ständerätin Marianne Binder-Keller (Die Mitte), sowie Franz-Dominik Imhof, der im Vorstand das Ressort Finanzen übernimmt. Wir wünschen den beiden neuen Vorstandsmitgliedern einen gelungenen Start und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihnen.

Traktandum Politische Aussprache

Die Mitgliederversammlung diskutierte die Bedeutung der «Erklärung von Chişinău» -Chişinău declaration - Déclaration de Chişinău - des Ministerkomitees des Europarats vom 15. Mai über die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), insbesondere in Migrations- und Asylfällen. Diese Erklärung bekräftigt die Geltung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) auch für Migrierte und Geflohene, anerkennt die Unabhängigkeit des EGMR und macht Vorschläge für die Stärkung des Dialogs zwischen den Staaten, ihren nationalen Gerichten und dem EGMR. Die Erklärung ist ein vertretbares Zwischenergebnis eines politischen Prozesses, der durch einen offenen Brief von neun Mitgliedstaaten angeschoben wurde, in dem sie sich gegen menschenrechtliche Einschränkungen ihrer migrations- und asylpolitischen Handlungsfreiheit wandten.

«Wahrung der Sicherheit im Rechtsstaat»: Input-Referat und Paneldiskussion

Auf den statutarischen Teil der MV2026 folgte ein politischer Teil zum Thema «Wahrung der Sicherheit im Rechtsstaat», eingeleitet durch ein Referat des neuen Co-Präsidenten Patrice Martin Zumsteg, gefolgt von einem Panelgespräch unter Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Cybersicherheit, Fedpol, Anwaltschaft und Migration. Themen waren unter anderem die mangelnde Zusammenarbeit und der «Kantönligeist» innerhalb der Schweiz und die Feststellung, dass trotz einem im internationalen Vergleich hohen Sicherheitsstand unablässig Forderungen nach höheren Strafen, neuen Straftatbeständen und stärkeren Strafverfolgungsinstrumenten gestellt würden. UNSER RECHT wird einen Bericht über diesen Teil der Veranstaltung publizieren.


Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und grüsse Sie freundlich aus Aarau

Stéfanie Trautweiler

Geschäftsleiterin

Problematische Schubert-Praxis

Ornate parliamentary chamber with a central round dais, surrounding wooden desks, and a grand chandelier; mural wall depicts a historical scene.

4. Mai 2026

Problematische Schubert-Praxis

Bewusste Verletzung vertraglicher Verpflichtungen


Niccolò Raselli

Ende April 2026 beschloss die WAK-S, der zuständigen Staatspolitischen Kommission des Ständerates (SPK-S) mitzuteilen, dass sie sich für eine Verankerung der sog. Schubert-Praxis auf Verfassungsebene ausspricht. Im Jahr 1973 hat das Bundesgericht in der Causa Schubert eine Ausnahme vom Grundsatz, dass völkerrechtliche Verträge einzuhalten sind, für den Fall als zulässig erklärt, dass das Parlament „bewusst“ gegen das Völkerrecht verstossen wollte. Diesfalls soll das dem Vertrag widersprechende spätere Gesetz bindend sein. Die Verankerung dieser Praxis auf Verfassungsebene wäre ein aussenpolitisch fatales Signal: Vertragspartner wären von vornherein gewarnt, dass die Schweiz Staatsverträge nicht wirklich als verbindlich betrachtet.

Niccolò Raselli war von 1995 bis 2012 Bundesrichter. Er ist Mitglied von UNSER RECHT.

Die Menschenrechte Geflüchteter und Migrierter schützen

5. Mai 2026

Die Menschenrechte Geflüchteter und Migrierter schützen

Erklärung im Hinblick auf die Ministerkonferenz des Europarats in Chişinău


ICJ-CH und UNSER RECHT

Am 15. Mai fand im moldawischen Chişinău die jährliche Ministerkonferenz des Europarats statt,. Das Ministerkomitee, in welchem auch die Schweiz Einsitz hat, verabschiedete dort eine politische Erklärung zum Thema EMRK und Migration. (Chişinău declaration - Déclaration de Chişinău).

Im Vorfeld der Konferenz forderten die Schweizer Sektion der Internationalen Juristenkommission (ICJ-CH) und UNSER RECHT in einer gemeinsamen Stellungnahme die Schweiz dazu auf, im Ministerkomitee dem zunehmenden Druck auf die Unabhängigkeit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und die Geltung der EMRK für geflüchtete und migrierte Menschen zu wiederstehen. Die beiden Organisationen formulierten dazu einen Katalog mit sechs konkrete Forderungen.

Das Kopftuch im Islam

13. Mai 2026

Das Kopftuch im Islam

Ein Ausdruck von Machtanspruch?

Niccolò Raselli

Das Kopftuchverbot bezweckt, eine religiöse Minderheit den Gepflogenheiten der Bevölkerungsmehrheit zu unterwerfen, und entpuppt sich letztlich als kulturkämpferisches Instrument: Mit dem polemischen Schlagwort "Polit-Islam" wird unterstellt, beim Kopftuch handle es sich um ein politisches Kampfinstrument, und damit bewusst darüber hinweggegangen, dass es um die Einhaltung religiöser Regeln geht. Befürworter eines Kopftuchverbots argumentieren gerne mit dem systemischen Kopftuchzwang in Diktaturen wie Iran und Afghanistan. Sie ignorieren, dass das Tragen eines Kopftuchs oder anderer religiöser Insignien im demokratischen Rechtsstaat auf freier Entscheidung beruht, als Ausdruck individueller Religiosität.

Niccolò Raselli war von 1995 bis 2012 Bundesrichter. Er ist Mitglied von UNSER RECHT.

Veranstaltungs- und Publikationshinweise

Veranstaltungen

2026 - 2027:
Wanderausstellung «Versorgt. Verdingt. Vergessen? - Geschichte(n) von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in der Schweiz»
Bundesamt für Justiz
Luzern, Schaffhausen, Bellinzona, Bern

2. Juni 2026:
Podiumsdiskussion „Bankgeheimnis, Transparenz und Pressefreiheit“
Transparency International Schweiz
Restaurant Veranda, Bern

12. Juni 2026:
Jahrestagung der Schweizerischen Menschenrechtsinstitution (SMRI)
CTS Kongresshaus, Biel

13. Juni 2026:
Tag der Aussenpolitik
SGA und foraus, Eventfabrik Bern

18. Juni 2026:
Europäisierung der schweizerischen Rechtsordnung. Die neuesten Erkenntnisse der rechtswissenschaftlichen Forschung –
Und was heisst das für die «Bilateralen III?
Veranstaltung der Universität Zürich
Zürich

25. Juni und 3. November 2026:
Grundlagenkurs I und II zur Praxis des schweizerischen Bundesstaats
Institut für Föderalismus der Universität Fribourg, Fribourg

Podcasts

Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich - Mitten in Europa:
Herzstück der Bilateralen III: Dynamische Rechtsübernahme
Mit Matthias Oesch und Christina Neier
28. April 2026

srf - Tagesgespräch:
Ruth-Gaby Vermot: «Frauen müssen den Frieden mitverhandeln»
12. Mai 2026

The Guardian - Today in Focus:
Is big brother watching you shop?
13. Mai 2026

Buchpublikationen

Bernhard Ehrenzeller; Anna Gamper, Andreas Kley, Markus Kotzur, Benjamin Schindler, Stefan G. Schmid, Daniel Thürer, Johann Justus Vasel, Nesa Zimmermann (Hrsg.):
Direkte Demokratie
Dike Verlag und Nomos, 2026

Peter Uebersax, Lorenz Kneubühler, Dominique Hänni (Hrsg.):
Bundesgerichtsgesetz
Helbing Lichtenhahn, 2026

Tarek Naguib, Helen Keller et al. (Hrsg.):
Menschenrechte - die Schweiz in der Verantwortung
Schulthess (Digital), 2026

Vincente Valentim:
Die Normalisierung der radikalen Rechten - Über politische Präferenzen und politisches Verhalten
Springer Verlag, 2026

Artikel, Studien, Websites

Barbara von Rütte:
Die Zukunft des Migrationsrechts in unsicheren Zeiten
PolitReflex, Mai 2026

Rudolf Wyder (Rezension «Strategic Trends 2026»):
Das internationale System an einem Wendepunkt
SGA, April 2026

humanrights ch:
Filmen durch Zeug*innen verboten? Bundesgericht setzt Grenzen polizeilicher Eingriffe
Mai 2026

Manuel Buchmann, Giuseppe Cappellari, Nicolas Müller:
Abschätzung der Auswirkungen einer Begrenzung der Bevölkerung in der
Schweiz auf 10 Millionen
Studie im Auftrag des SEM
Mai 2026

Synoptische Darstellung des kantonalen Parlamentsrechts (dreisprachig):
Kantonsparlamente
Kantonsparlamente ch und Institut für Föderalismus der Universität Freiburg

Seit 2007 setzt sich UNSER RECHT für die Geltung, Achtung und Weiterentwicklung von Grundrechten, Rechtsstaatlichkeit und Völkerrecht in der Schweiz und in Europa ein und für eine Politik, die sich an diesen Grundsätzen orientiert.
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