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Pariser Abkommen

Was sein Ordnungsrahmen leisten kann – und was nicht

Von Laura Mai

Am 4. November 2016 trat das Pariser Klimaabkommen in Kraft. Zehn Jahre später ist sein politisches Versprechen nicht eingelöst. Gemäss jüngsten Einschätzungen der Vereinten Nationen wird die 1,5-Grad-Grenze zumindest zeitweise überschritten werden. Es wäre vorschnell, das Abkommen nun abzuschreiben, und doch steht sein Versprechen bei den diesjährigen Klimaverhandlungen erneut auf der Probe.

 

Europäisiertes Recht

Argumente für eine Stärkung der demokratischen Mitwirkung bei der Rechtsetzung

Von Charlotte Sieber-Gasser

Die dynamische Rechtsübernahme in den Bilateralen III wird häufig als Gefahr für die schweizerische Demokratie dargestellt. Damit gerät das grössere Problem aus dem Blick: Europäisierte und internationalisierte Rechtsetzung prägen längst zahlreiche Bereiche des Schweizer Rechts. Die Schweiz muss ihre demokratischen Entscheidungsverfahren deshalb in jedem Fall weiterentwickeln. Die Bilateralen III schaffen diese Aufgabe nicht, sie machen sie lediglich sichtbarer.

Zürcher Symbolpolitik

Kopftuchverbot für Schülerinnen: Ungeeignet, kontraproduktiv und diskriminierend

Von Patrice Martin Zumsteg

Eine Motion des Zürcher Kantonsrats fordert ein grundsätzliches Verbot religiös begründeter Kopfbedeckungen an sämtlichen öffentlich-rechtlichen Schulen und Kindergärten. Ein solches Verbot würde den betroffenen Schülerinnen allerdings nicht helfen, und die Gesetzesvorlage wäre kaum verfassungskonform. Symbolgesetzgebung, die ihre eigene Nicht-Vollziehbarkeit in Kauf nimmt, schadet dem Vertrauen in die Rechtsordnung, welche diese Motion angeblich verteidigen will.

Unverantwortliche Neutralitätsinitiative

Plädoyer für eine völkerrechtsbasierte Aussenpolitik

Von Carl Jauslin

In einer polarisierten Welt muss die neutrale Schweiz Verantwortung für die Einhaltung des Völkerrechts übernehmen und Sanktionen ergreifen können. Die Neutralitätsinitiative gefährdet die Durchsetzung des Völkerrechts und der Menschenrechte und würde verhindern, dass die Schweiz für die Einhaltung einer regelbasierten internationalen Ordnung einstehen kann. Das in der Initiative vorgeschlagene Neutralitätsverständnis ist daher nicht pazifistisch und humanitär, sondern opportunistisch und unverantwortlich.

Book cover for Schweizerisches Verfassungsrecht; authors René Rhinow, Markus Schefer, Peter Uebersax, Nadja Braun Binder; grid of dark blue, teal, and pale yellow.

Verfassungsrecht als Verhandlungsgegenstand

Ein Gespräch über Kontinuität und Entwicklung

Von Ulrich Gut

Soeben erschien die vierte Auflage des Buches «Schweizerisches Verfassungsrecht», zehn Jahre nach der dritten. Nadja Braun Binder, Professorin für Öffentliches Recht an der Juristischen Fakultät der Universität Basel, wirkte erstmals als Mitautorin mit. Ulrich Gut sprach mit ihr darüber, wie sich in dieser erweiterten und aktualisierten vierten Auflage Kontinuität und Entwicklung des schweizerischen Verfassungsrechts zeigen.

Busy city street with pedestrians and cars, overlaid by facial-recognition boxes and ID numbers identifying people.

Gefährder

Präventive Polizeiarbeit zwischen Risikoabwehr, Datenmacht und Rechtsstaat

Von Christoph Wieland

Die staatliche Eingriffslogik verschiebt sich zunehmend vom retrospektiven Tatmodell hin zu einem präventiven Risikomodell. Je stärker der Staat versucht, zukünftige Risiken prognostisch zu erfassen, desto grösser wird die Versuchung, Unsicherheit durch immer weitergehende Informationsbearbeitung, Datenverknüpfung und präventive Kontrolle zu reduzieren. Damit stellt sich die grundlegende rechtsstaatliche Frage, was eine Gesellschaft bereit ist, für zusätzliche Sicherheit preiszugeben.

Left: United Nations Charter page with emblem and German title; right: orange Swiss constitution cover with white cross pattern.

Die Neutralitätsinitiative

Weshalb sie völkerrechts- und verfassungswidrig ist

Von Markus Mohler und Marco Jorio

Das Ziel der Neutralitätsinitiative besteht darin, einerseits jegliche Sanktionen gegen kriegführende Staaten zu verhindern und andererseits, keinem Militär- oder Verteidigungsbündnis beizutreten. Mit dem Postulieren einer «immerwährenden Neutralität» als Verfassungsbestimmung verletzt sie jedoch zwingendes Völkerrecht. Aus diesem Grund dürfte sie Volk und Ständen eigentlich gar nicht vorgelegt werden.

Open blue-toned book with visible text 'Europäische Menschenrechtskonvention', symbolizing the European Convention on Human Rights

Aufgeschlossen oder unbestimmt?

Die Erklärung von Chișinău zur EMRK und Migration

Von Lize R. Glas, Kushtrim Istrefi, Antoine Buyse und Corina Heri 

Am 15. Mai verabschiedeten die 46 Mitgliedstaaten des Europarates im Rahmen einer Ministerkonferenz in der moldauischen Stadt Chişinău die Erklärung von Chişinău zur EMRK und Migration. Trotz der vielen Gründe, die Anlass zur Erleichterung über den Inhalt der Erklärung geben, gibt der Text auch Anlass zur Sorge. Die Autorinnen und Autoren skizzieren die möglichen Folgen der Erklärung.

Bilaterale III

Bilaterale III: Landesinterne Sicherungen der Demokratie – FOKUS Parlament

Von Patrice Martin Zumsteg

Mit den Bilateralen III tritt die Schweiz in eine neue Phase ihrer Beziehungen zur EU ein. Die Schweiz übernimmt in Teilen die Pflicht, Unionsrecht dynamisch – aber nicht automatisch – in ihre eigene Rechtsordnung zu integrieren. Das wirft eine grundlegende Frage auf: Wie lässt sich die direkte Demokratie der Schweiz in diesem Rahmen wirksam erhalten? Eine neue Publikation von Thomas Pfisterer enthält diesbezügliche Vorschläge und Forderungen.